Naziaufmarsch am 1. Mai in Bonn

Einschätzungen und Informationen der Antifa Bonn/Rhein-Sieg

Nachdem die Gerüchteküche schon seit einigen Wochen über einen bundesweiten Naziaufmarsch am 1. Mai in Bonn mutmaßte, wurde das Gerücht letzte Woche durch die Anmeldung in Bonn Gewissheit.

Warum in Bonn?

So unerwartet kam die Anmeldung nicht. Das im Bonner Raum agierende Aktionsbüro Mittelrhein (ABMR) hat sich über die letzten Jahre zu einem festen Bestandteil der bundesweiten, parteiungebundenen, neonazistischen Strukturen entwickelt. Neonazis aus Bonn und dem nördlichen Rheinland-Pfalz fahren auf Naziaufmärsche national wie international, stellen Demostrukturen wie Lautsprecherwagen und Ordnerdienste bereit und bauen ihre eigene Infrastruktur immer weiter aus. Dies zeigt sich auch anhand einer stark gestiegenen Anzahl von Gewalttaten, die aus dem Spektrum des ABMR begangen wurden und werden .1

Mit dem laut Eigenbezeichnung „Braunen Haus“ in Bad Neuenahr in der Weinbergstr. 17 und weiteren Wohngemeinschaften in der Region haben sich die Nazis auch eine gemeinsame Lebenswelt erschaffen. Propagandadelikte wie Flugblattverteilaktionen, einem „Feuerspektakel“ am Sankt Martinstag 2011 in Ahrweiler, aber auch eine sogenannte „Info-Tour Rheinland“ zum sogenannten „nationalen Anti-Kriegs-Tag“ in Dortmund, und nicht zuletzt die inzwischen jährlich stattfindende, geschichtsrevisionistische Demonstration an den Rheinwiesenlagern in Remagen gehören zu den Tätigkeiten des ABMR`s. Zur Jahreswende feierten die Nazis im „Braunen Haus“ eine Unterstützungs-Party für den „nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) mit dem Slogan „2 Jahre Braunes Haus Bad Neuenahr – jetzt knallts richtig…“2

In Bonn selber firmieren die Nazis unter dem Namen „frontal national Bonn“, einem Internetprojekt des ABMR. Presserechtlich verantwortlich zeichnet sich ein mehrfach wegen Gewalttaten und Propagandadelikten vorbestrafter Neonazi aus Köln. Am 17.12.2011 beispielsweise organisierten Neonazis aus Bonn eine „Blutzeugen“-Gedenkveranstaltung für einen toten SA Mann, der 1930 an der heutigen Kennedybrücke ums Leben kam. Durch die Zusammenarbeit bei Demonstrationen und Veranstaltungen mit Neonazis der altgedienten Kameradschaft Sturm 8/12 um den bundesweit bekannten Neonazi Ralph Tegethoff, den „Freien Kräften Köln“ um Axel Reitz, aber auch Neonazis aus Aachen (Kameradschaft Aachener Land), Düren (Organisatoren-Team des Naziaufmarsches in Stolberg), Wuppertal und Dortmund verfügen die örtlichen Nazis über ausreichende Unterstützung, um die bundesweite Nazi-Mai-Demonstration auch wirklich organisieren zu können.

Ein weiterer Grund für die Entscheidung, in Bonn marschieren zu wollen, ist sicher auch die für den 24.03.2012 geplante antifaschistische Demonstration gegen die Strukturen des ABMR am Beispiel des „Braunen Hauses“ in Bad Neuenahr (24maerz2012.blogsport.de).

Warum nicht in Dortmund?

Nachdem den Nazis in Dortmund in den letzten Jahren durch antifaschistische Initiativen der Aktionsradius deutlich beschnitten wurde und nun auch endlich eine polizeiliche Beobachtung der militanten Szene einzusetzen scheint, wurde aus Nazireihen Kritik am Dortmunder 1.Mai Aufmarsch laut. Mit einer Demonstration am 31.03.2012 für ein „nationales Zentrum“ und der jährlichen Aktionswoche zum „nationalen Anti-Kriegs-Tag“ am ersten September Wochenende, finden schon zwei Großevents der Szene in Dortmund statt. Dazu kam, dass mit Dennis G. und Alexander D. gleich zwei Köpfe der Naziszene in Dortmund ab dem 27.04.2012 in Dortmund vor Gericht stehen. Vorgeworfen wird den Beiden, am 1. Mai 2009 mit 400 Gesinnungskameraden die DGB-Demonstration angegriffen und viele Menschen verletzt zu haben. Prozesstaktisch wäre also ein Aufmarsch am 1. Mai in Dortmund eher als ungeschickt zu bezeichnen.

Was tun?

Um den Aufmarsch der Nazis zu verhindern können wir uns nicht auf den Staat verlassen. Die Todesopfer der NSU sprechen da eine mehr als deutliche Sprache. Widerstand aller gesellschaftlichen Gruppen ist hier gefragt. Wie die positiven Beispiele aus Dortmund, Bad Nenndorf, Bielefeld, Stolberg und Dresden in den letzten Jahren deutlich zeigen, ist es möglich, Nazidemonstrationen zu verhindern oder wenigstens stark einzuschränken. Hierbei ist es aber unbedingt notwendig gemeinsamen antifaschistischen Widerstand zu leben.

Wir wollen an dieser Stelle darauf hinweisen, dass der Naziaufmarsch am 1.Mai zwar ein hässliches Symptom des Neonazismus in Bonn und der Region ist, das Problem aber im alltäglich Rassismus, Antisemitismus und der neonazistischen Gewalt zu sehen ist.

Daher rufen wir dazu auf, am 24. März 2012 an der Demonstration gegen das „Braune Haus“ in Bad Neuenahr Ahrweiler teil zu nehmen. Dort sitzen die Nazis, die am 1. Mai in Bonn marschieren wollen.

Auf nach Bad Neuenahr und raus zum 1. Mai: Keinen Meter den Nazis!

  1. http://www.infobuero.org/2011/12/bad-neuenahr-neonazis-werben-mit-nsu-bezug-zur-sylvesterparty/ [zurück]
  2. www.rhein-zeitung.de/regionales/extra_artikel,-Weinbergstrasse-17-_arid,376566.html#articletop und die Antwort des Ministeriums des Inneren, für Sport und Infrastruktur RLP auf die kleine Anfrage der Abgeordneten Pia Schellhammer und Nils Wiechmann zu den rechtsextremistischen Aktivitäten des sogenannten „Aktionsbüro Mittelrhein“ vom 13.12.2011 [zurück]